Das Schwimmbad

Kurze Chronologie des Schwimmbades in Gaggenau-Sulzbach

Artur Haitz, Ortsvorsteher Sulzbach, im Nov. 2014

Im Juni 1934 stellte Bürgermeister Leonhard Weber beim zuständigen Badischen Bezirksamt in Rastatt einen Antrag auf Errichtung eines Schwimmbades. Beabsichtigt war ein Staubecken, das vorwiegend als Brandweiher und zusätzlich als Schwimmbad dienen sollte. Im Dezember 1934 erteilte der Bezirksrat sein Einverständnis.

Architekt Wilhelm Kohlbecker aus Gaggenau fertigte die Planung an für das 24 auf 35 Meter große Becken aus Bruchsteinmauerwerk. Im Sommer 1935 waren die Bauarbeiten beendet. 1936 kamen neue Umkleide- und Sanitärräume hinzu.

Das Becken wurde mit dem natürlichen Wasser des Sulzbachs gespeist.

Die Gesamtkosten für das neue Schwimm-, Licht- und Sonnenbad betrugen 11 500 Reichsmark. Am 22. Juni 1936 konnte das fertige Bad seiner Bestimmung übergeben werden.

Für die Sicherheit der Badegäste sorgte ein Bademeister. Ihm zur Seite standen zwei geprüfte Rettungsschwimmer, die allerdings nur samstags und sonntags ihren Dienst versahen.

Das Bad überstand den Krieg unversehrt. Mitte der fünfziger Jahre war jedoch sein Bestand stark gefährdet. Bereits im September 1954 kam die Lebensmitteluntersuchungsanstalt Karlsruhe zu dem Ergebnis, dass das Badewasser einen ungünstigen bakteriologischen Befund aufweist. Im August 1955 bestätigte das Staatliche Gesundheitsamt Rastatt diese Feststellung und forderte angesichts einer Verunreinigung mit Kolibakterien eine Aufbereitungsanlage. Außerdem schwemmte der Sulzbach bei jedem Starkregen verschmutztes Wasser in das Becken.

Ein Jahr später verfügte das Landratsamt Rastatt dann den Stopp des Badebetriebes.

In den Folgejahren mussten die Sulzbacher auf ihre Bademöglichkeit verzichten.

Erst in den Jahren 1960 bis 1963 konnte die unumgängliche Sanierung unter Einsatz der örtlichen Vereine in Angriff genommen werden. Unter deren tatkräftiger Mithilfe wurden die Natursteine entfernt. Die Fa. Grötz konnte dann die vorgesehene Betonwanne einbauen und die geforderte Bachwasserumleitung installieren.  Die Aufwendungen hierfür summierten sich auf 85 000 Mark.

Im August 1965 schloss das Landratsamt Rastatt das Bad erneut, weil bei den vorangegangenen Instandsetzungsarbeiten nicht eine Umwälzanlage mit der Möglichkeit der  Chlorierung des Badewassers installiert worden war. Für 214 000 Mark erstellte daraufhin die Gemeinde ein neues Betriebsgebäude, in welchem die Umwälzanlage sowie die Garderobe Platz fanden.

In der Badesaison 1969 nahm das Bad seinen Betrieb wieder auf. Dieses Bad war auch wichtig für das Wohlbefinden der Kurgäste. In der Fremdenverkehrssaison 1969 wurden noch ca. 10.000 Übernachtungen verzeichnet.

Mit der Eingliederung der Gemeinde Sulzbach in die Stadt Gaggenau am 1. April 1973 ging das Sulzbacher Freibad in die Verwaltung der Großen Kreisstadt über. Im Vertrag über die Eingemeindung ist das Bad nur insofern erwähnt, als sich die aufnehmende Stadt verpflichtet, im Schwimmbad eine Liegewiese herzustellen.

Anfang der 80er Jahre wurde das Kinderplantschbecken gebaut und mit einer eigenen Umwälzanlage ausgerüstet. Ebenso erfuhr der Kioskbereich eine Erweiterung.

In den 90er Jahren verschärfte sich in Gaggenau die Diskussion darüber, ob eine Stadt dieser Größenordnung 4 Freibäder benötigt. Das Waldseebad in Gaggenau, das Freibad in Bad Rotenfels, das Kuppelsteinbad in Ottenau und das Freibad in Sulzbach verursachten jährlich enorme Kosten.

Um diese Kosten zu verringern, bildeten sich in Bad Rotenfels, Ottenau und Sulzbach Schwimmbadinitiativen. In Sulzbach war diese seit 1993 aktiv. Sie übernahm den größten Teil der laufenden gärtnerischen Pflegearbeiten an Rasen, Blumen,  Hecken und Bäumen sowie die Laubbeseitigung. Auch wurden die Reinigung des Beckens und ein Großteil der handwerklichen Arbeiten im Badbereich erledigt.

Seit 1994 findet jährlich ein Schwimmbadfest statt. Mit der aktiven Beteiligung an den Arbeitseinsätzen und beim Fest demonstrieren bis heute die Sulzbacher Vereine und die gesamte Bevölkerung ihre Verbundenheit mit ihrem Bad.

Am 10. Februar 2003 entschied sich der Gemeinderat in Gaggenau mit deutlicher Mehrheit für eine Ein-Bad-Lösung. Die Begründung lautete: “Die Finanzlage der Stadt lässt mehr als ein Freibad in städtischer Regie nicht zu.”

Am 21 Juli 2003 legte der Gemeinderat fest, dass auf dem Areal des jetzigen Waldseebades ein zukunftsfähiges neues Bad gebaut werden soll und am 17. Januar 2005 fielen die Würfel im Gemeinderat für den Bau eines Naturbades statt eines chemischen-technischen Bades.

Für die Bäder in Rotenfels, Ottenau und Sulzbach bedeutet dies, dass sich die Stadt aus diesen drei Bädern als Betreiberin zurückzog.

Sie erklärte sich jedoch bereit, mit finanziellen Mitteln den Betrieb bei den künftig privat betriebenen Stadteilbädern zu unterstützen und sich bei notwendigen Investitionen zu beteiligen.

Am 18. April 2006 wurde der Sulzbacher Schwimmbadverein gegründet. Er betreibt seither das Sulzbacher Schwimmbad in Eigenregie sehr erfolgreich. Unterstützt wird er von einer großen Zahl von Vereinsmitgliedern und zahlreichen Helfern.